Geschichte der Volksschule

Interessantes zur Volksschule St.Georgen/Klaus

Zum Namen St.Georgen in der Klaus und zur geographischen Lage

Über die Entstehung des Ortes St.Georgen/Klaus fehlen geschichtliche Daten. Eines scheint aber sicher zu sein, dass der Name „Klaus“ der ältere ist, während „St.Georgen“ erst mit der Erbauung der Kirche entstanden ist.
Wovon der Name „Klaus“ herzuleiten ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die wahrscheinlich richtige Version ist folgende: Der Nellingbach wurde durch Verbauungen – Klausen genannt – gestaut und die Klausen nach Bedarf geöffnet, um das Holz in die Ybbs zu schwemmen.
Es dürften zwei solcher Klausen bestanden haben. Nach diesen wurde das ganze Gebiet in die „Obere und Untere Klaus“ geteilt. In der Nähe des Bauerngutes „Klaushof“ wurde einst eine Verbauung des Nellingtales durch einen Hangrutsch freigelegt.

St.Georgen/Klaus liegt im westlichen Alpenvorland von Niederösterreich auf einer Anhöhe von 665 m und ist seit der Gemeindezusammenlegung im Jahre 1972 eine der vier Katastralgemeinden von Waidhofen/Ybbs.
In St.Georgen/Klaus, das eine Fläche von 9 km² auf zwei Hügeln umfasst, leben derzeit zirka 540 Personen. Vom Ort hat man einen herrlichen Ausblick in die beeindruckende Bergwelt. Nach Süden baut sich ein imponierender Gebirgsblick auf. Man sieht vom Großen und Kleinen Ötscher über den Scheiblingstein zum Dürrenstein, vom Almkogel über das Sengsengebirge, den Großen Priel im Totengebirge bis hin zum Traunstein. Nach Norden überblickt man das Donautal von Linz bis Maria Taferl und sieht natürlich weit hinein ins Mühl- und Waldviertel.

Zur Geschichte der Schule

Da die Zahl der eingepfarrten, zerstreut liegenden Häuser von St.Georgen/Klaus so unbeträchtlich, der Zugang zu der auf dem Berg gelegenen Ortschaft und Kirche sehr beschwerlich war, wurde diese Pfarre lang nicht für geeignet befunden, dort eine Schule zu errichten.

Es dürfte aber schon vor 1800 ein Unterricht für die Jugend in der Weise stattgefunden haben, dass in den Wintermonaten da und dort in Privathäusern diese von „älteren Personen“, meist Frauen, im Lesen und Schreiben unterwiesen wurde.

Nach Aufforderung des Kreisamtes zu Beginn des 19. Jahrhunderts an das Stift Seitenstetten, ein vorschriftsmäßiges Schulhaus zu errichten, wehrte sich dieses zuerst mit dem Hinweis auf die oben genannten Gründe, doch unter Abt Kolumban Zehetner wurde „die Wohltat des Unterrichtes“ den Bewohnern des Ortes durch die Errichtung einer einklassigen Schule ermöglicht.
Das Stift stellte den Baugrund gegenüber dem Friedhof, beim alten Pfarrhof, gratis zur Verfügung. Das einklassige Schulhaus war an der Stelle des hölzernen „Pfarrhäuschen“ errichtet worden.
Am 29.Oktober 1815 wurde der erste Lehrer, Franz Schwimmböck aus Öhling, in St.Georgen/Klaus angestellt. Die Pfarrgemeinde gestand ihm laut Protokoll „ein jährliches Gehalt von 300 fl und 31 fl 51 x für den Kirchendienst“ zu.

Die Schule blieb bis zur Einführung der Schulpflicht vom 6. bis zum 14. Lebensjahr (Reichsvolksschulgesetz) im Jahre 1869 eine Pfarrschule.
1860 betrug die Schülerzahl 142 Kinder bei einer Klassenzimmergröße von 45 m². 1882 wurde ein Zimmer im Dorfgasthaus Schaumdögl auf zehn Jahre gemietet und dort die zweite Klasse untergebracht. Danach wurde beschlossen, das Schulhaus zu vergrößern.
Am 15. Juni 1893 wurde das jetzige alte Schulgebäude fertiggestellt. Um den Schulneubau hat sich der damalige Oberlehrer Martin Gumpold sehr große Verdienste erworben. Er war von 1885 bis 1896 Schulleiter.
Insgesamt besuchten damals 114 Schüler (60 Knaben und 54 Mädchen) die Schule. Sein Nachfolger war Oberlehrer Karl Riese. Der bei der Bevölkerung sehr geachtete Lehrer leitete die Schule von 1897 bis 1907.
Oberlehrer Ignaz Blumenschein führte die Schule durch den Ersten Weltkrieg und war Schulleiter von 1907 bis 1921.
In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen waren Wendelin Richter von 1921 bis 1927, Karl Herzlich von 1927 bis 1934 und Alois Mayrhofer von 1934 bis 1935 mit der Leitung der Schule betraut.
Mit 1. Dezember 1935 übernahm Oberlehrer Karl Kitzinger die Schulleitung und wurde 1940 zum Militärdienst einberufen, aus dem er nicht mehr zurückkam.
In den Kriegsjahren stieg die Schülerzahl durch die Einschulung evakuierter Kinder, sowie Kinder von Flüchtlingsfamilien beträchtlich an. Wie in anderen Orten wurde auch in St.Georgen/Klaus die „Notschule“ durchgeführt. Es gab Unterricht an drei Tagen der Woche in einem geheizten Raum. Die Schüler mussten selbst das Holz zum Heizen mitbringen – pro Kind ein Holzstück. Durch die Bomben- und Tieffliegergefahr war der Unterricht stark gestört, ab Ostern 1945 entfiel er überhaupt ganz.
Am 10. September 1945 übernahm Frau Luise Gießauf die Schulleitung und die 2. Klasse, Fräulein Hedwig Baresch die 1. Klasse. Die Schülerzahl von der 1. bis zur 8. Schulstufe betrug 118 Kinder. Anfangs mussten beide Lehrerinnen nach Rosenau essen gehen, später konnten sie im Pfarrhof verpflegt werden.
Durch den krankheitsbedingten Ausfall beider Lehrpersonen war am 9. Dezember 1945 die Schule ohne Lehrkraft. So musste die Lehramtskandidatin Hermine Kettner bis zu den Weihnachtsferien wegen Lehrermangels die zwei Klassen (acht Schulstufen) allein übernehmen. Danach kam Irma Glößmann an die Schule und leitete und unterrichtete vom 2. September 1946 bis 9. Jänner 1948 ebenfalls alleine die beiden Klassen im Wechselunterricht (eine Klasse am Vormittag, die andere Klasse am Nachmittag).
Am 12. Jänner 1948 trat Kurt Nakel den Dienst als provisorischer Schulleiter an und damit wurde die Schule dreiklassig geführt. In den Sommerferien 1948 wurde auch endlich der elektrische Strom eingeleitet. Am 15. Jänner 1950 wurde Friedrich Felber zum provisorischen Schulleiter ernannt. Sein Nachfolger war ab 1. September 1950 Ernst Sobotka. Mit 6. September 1951 übernahm Maximilian Haiger die provisorische Schulleitung.

In Zusammenarbeit mit dem schulfreundlichen Ortsschulratsobmann und späteren Bürgermeister der Landgemeinde Waidhofen/Ybbs, Eberhard Proch, wurde das Schulhaus im Laufe der Nachkriegsjahre renoviert und modernisiert: Parkettböden in allen Klassenräumen, Anschaffung von Schulmöbeln und modernen Blättertafeln für alle Klassen, Wasserklosetts, Kunststeinpflaster in den Vorhäusern, Schaffung einer Garderobe, Fassadenverputz auf der Südseite, Neueindeckung des Daches mit Eternit, Ankauf von modernen Lehrmitteln wie Tonbandgerät, Tonfilmapparat, Fernseher u. a.

Die Schülerzahlen bewegten sich in den Nachkriegsjahren um die 95 Kinder (inklusive Volksschuloberstufe). Bis zum Schuljahr 1960/61 stieg die Zahl auf 118. Man begann daher 1961 mit den Arbeiten zur Errichtung eines Schulzubaues, und 1962/63 verfügte die Schule bereits über ein viertes Klassenzimmer, sie wurde daher mit 128 Schülern vierklassig geführt.

Das Problem, Unterkünfte für die Lehrer zu finden, war mit dem Bau einer neuen Leiterwohnung sowie zwei Lehrerwohnungen endlich gelöst. Die Schülerzahlen stiegen und erreichten 1967/68 den Höchststand mit 146 Kindern.

Mit der Abschaffung der Volksschuloberstufe wurde unsere Schule ab dem Schuljahr 1972/73 zweiklassig (1. bis 4. Schulstufe). Die Gemeinde Biberbach hatte ihre Kinder ebenfalls abgezogen. Durch die Einführung des kostenlosen Schülertransportes 1971 musste ein langer Schulweg ebenfalls nicht mehr berücksichtigt werden. Der weitere Bestand der Schule schien daher gefährdet. Man sprach schon von Auflösung der Schule.

Doch ein Vertrag zwischen der Gemeinde Waidhofen/Ybbs und der Marktgemeinde Seitenstetten ermöglichte es Schülern aus der Gemeinde Seitenstetten, im Abtausch mit Schülern, die dafür die Hauptschule in Seitenstetten besuchten, weiterhin in unsere Schule zu gehen. „Damit waren und sind zwei Klassen für die Zukunft gesichert!“, schrieb ein erleichterter Schulleiter OSR Haiger in der Schulchronik.

Ab dem Schuljahr 1972/73 führte das Lehrerehepaar Volksschuldirektor Oberschulrat Maximilian Haiger und Volksschulhauptlehrer Angela Haiger diese beiden Klassen im Abteilungsunterricht bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 1985/86.
Als Schulleiterin folgte mit dem Schuljahr 1986/87 VOL Elfriede Arnoldner. Mit dem Schuljahr 1987/88 wurde die Schule dreiklassig und mit 1988/89 vierklassig. Durch den Geburtenrückgang reduzierte sich die Zahl der Klassen ab dem Schuljahr 1994/95 auf drei. Mit diesem Schuljahr übernahm VOL Gerhard Slawik die Schulleitung. Ab dem Schuljahr 1998/99 wurde die Schule wieder zweiklassig und VD Franz Aigner folgte als Schulleiter.

Der an unserer Schule immer selbstverständlich geführte Mehrstufenklassenunterricht ist ein aus pädagogischer Sicht sehr moderner Unterricht, in dem von den Schülern Rücksichtnahme, Selbständigkeit und Toleranz gefordert werden und vor allem soziales Lernen im Mittelpunkt stehen. Einige sichtbare Erfolge dieses gemeinsamen Miteinanders waren in den letzten Jahrzehnten die Auszeichnung der Schule (gemeinsam mit dem Dorferneuerungsverein) im Jahre 1991 mit dem Umweltpreis des Landes Niederösterreichs im Rahmen des europäischen Dorferneuerungspreises durch Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, der 4.Platz bei der Reihung der besten Volksschulen Niederösterreichs des Wochenmagazines NEWS im Jahre 2004, 5 Preisträger beim Schreibwettbewerb zur Landesausstellung 2007 „Feuer & Erde“ in Waidhofen/Ybbs zum Thema MYTHOS FEUER und die Auszeichnung der Schule 2014 durch das Land NÖ im Rahmen der Aktion „Schule-Leben-Zukunft“.

Am Sonntag, den 19. April 2015 feierte die Schulgemeinschaft mit der Bevölkerung ihren 200.Geburtstag. (Link zum Artikel über die Feier!)
Für diese Feier wurde eine Festschrift aufgelegt, welche über folgenden Link abgerufen werden kann. (Link zur Festschrift!)

Abschließend noch einige Sanierungs- und Verbesserungsmaßnahmen am Schulgebäude durch die Gemeinde Waidhofen/Ybbs in den letzten Jahren:

  • 1988 - Errichtung einer Zentralheizung u. Anschluss des Schulgebäudes an die Dorffernwärmeheizung St.Georgen/Klaus
  • 1991 - Fassadenfärbelung
  • 2001 - Erneuerung der Schulhausinnenbeleuchtung und Teiltrockenlegung der Klassenräume im Erdgeschoß
  • 2002 - Einleitung von Fließwasser in den Klassenräumen
  • 2003 - Erneuerung der restlichen Holzfenster durch Kunststofffenster im Schulhaus, Ausmalen des Ganges und der Garderobe mit abwischbarer Wandfarbe
  • 2007 - Schall- und Prallschutz im Turnsaal, Erneuerung der Turnsaaltüren gemäß dem derzeit geltenden Sicherheitsstandard, Versiegelung der drei Parkettböden
  • 2015 - Färbelung der Hausfassade

Schulleiter der VS St.Georgen/Klaus seit 1945:

  • 1945 – prov. Schulleiterin Luise Gießauf
  • 1946 – prov. Schulleiterin Irma Glößmann
  • 1948 – prov. Schulleiter Kurt Nakel
  • 1950 – prov. Schulleiter Friedrich Felber
    - prov. Schulleiter Ernst Sobotka
  • 1951 - prov. Schulleiter Maximilian Haiger
  • 1986 – Schulleiterin Elfriede Arnoldner
  • 1994 – Schulleiter Gerhard Slawik
  • 1998 – Schulleiter Franz Aigner
Go to top