St. Georgen und seine Geschichte

Willkommen in unserem St. Georgen und seiner Geschichte!

Wann wurde eigentlich St. Georgen in der Klaus gegründet? Nun, so einfach ist diese Frage gar nicht zu beantworten, weil es dazu keine direkten Aufzeichnungen gibt.

Aus der Wechselwirkung zwischen dokumentierter regionaler wirtschaftlicher Entwicklung und seelsorgerischen Notwendigkeiten vor über 900 Jahren können wir schließen, dass sich hier Bauern, Jäger und Sammler nieder gelassen hatten. Die großen Rodungen der Wälder im Ybbstal schritten voran. Das so gewonnene Land konnte kultiviert werden. Die Bevölkerung nahm sprunghaft zu. Das wiederum bedeutete vermehrte pastorale und seelsorgliche Anforderungen an die Pfarren. Unser St. Georgen gehörte um 1100 nach Christus zur Pfarre Aschbach, die selbst wieder zum Bistum Passau gehörte. Bischof Ulrich von Passau war aber mit den Seelsorge-Strukturen nicht ganz zufrieden, sodass er deren Verbesserung anordnete.

Nicht nur Passau, sondern auch das Bistum Freising besaß ausgedehnte Ländereien in der Gegend. Beide weiteten ihre Besitzungen natürlich aus. So um 1150 stießen die Interessen von Passau und Freising da, wo Sie jetzt sitzen, aufeinander. Beide Bistümer wollten ihre seelsorgliche Verantwortung ernst nehmen. Das kostete damals – und kostet heute – Geld. Viel Geld. Zur Finanzierung wurde eine Art Kirchensteuer, der Zehent, das war der zehnte Teil aller Erträge, eingehoben. Aber wem gehörte der Zehent? Passau oder Freising? Es kam zum Streit zwischen dem Passauer Eigenkloster Seitenstetten und dem Hochstift Freising, wem die Zehentrechte „apud clusam", also „in der Klaus", zustünden. Zum Glück waren die beiden betroffenen Bischöfe Brüder. Bischof Konrad von Passau und sein Bruder, Bischof Otto von Freising trafen sich 1158 in Aschbach und entschieden, dass der Zehent aus dem Gebiet „apud clusam" Passau und damit Seitenstetten zustand. Wenig später wurde hier die erste Kapelle errichtet, wie aus einem „beneficium apud clusam" aus dem Jahr 1185 hervorgeht. Sogar Papst Urban III bestätigte 1186 dem Stift Seitenstetten alle Schenkungen und Zehentrechte und erwähnte namentlich „capellas ad clusam", womit die kleine Seelsorgekirche in der Klaus gemeint war, die dem Hl. Georg geweiht wurde. 1186 ist damit zwar nicht das Gründungsjahr von St. Georgen in der Klaus, aber es ist die erste gesicherte Erwähnung.

Etwa 100 Jahre später scheint erstmals der Name „Georgenberg" in der lateinischen Form „in monte Sancti Georii" in einem Besitz- und Abgabenverzeichnis des Stiftes Seitenstetten auf. 1305 wird es als „sanctum Georium" bezeichnet. Nochmals 50 Jahre später, nämlich 1358, erfolgt die erste urkundliche Nennung der Pfarre St. Georgen als „sand Joergen pharr, in der ober Chlaus".

Wovon lebten die Bauern von St. Georgen um das Jahr 1300? Wir wissen das, weil die Bauern für ihre Produkte Abgaben ähnlich unserer heutigen Mehrwertsteuer zu leisten hatten und diese Abgaben in so genannten Urbaren niedergeschrieben wurden. Es waren Weizen, Hafer, Roggen, Schweine, Gänse und Schafe, Eier und Käse. Die Abgaben schwankten je nach Ernte. So scheint es um 1300 eine Missernte bei Weizen gegeben zu haben, weil nur ein Bauer Weizen abzuliefern hatte.

In der Folgezeit muss St. Georgen in der Klaus schon relativ viele Einwohner gehabt haben, existierten doch mit der St. Georgs-Zeche und der Lieb-Frauen-Zeche sogar zwei bäuerliche Burschenschaften. 1607 wurden dann die beiden Burschenschaften zusammengelegt. Sie sind aber noch im 19. Jahrhundert bezeugt.

Von den vier Glocken der Pfarrkirche wurde die älteste um 1230 gegossen. Die zweitälteste stammt aus dem Jahr 1633 und wäre fast im 2. Weltkrieg zu Waffen umgeschmolzen worden. Glücklicherweise blieb sie im Glockensammellager in Hamburg unversehrt und kehrte nach 1945 wieder an ihren Platz im Turm von St. Georgen zurück.

1529 war ein Entscheidungsjahr, weil Wien zum ersten Mal von den Türken belagert wurde und überall im Mostviertel Gruppen von türkischen Soldaten für Angst und Schrecken sorgten. Türkische Marodeure plünderten auch die Kirche und steckten den Pfarrhof von St. Georgen in Brand. Die Spuren dieser Übergriffe sind überall im Mostviertel an historischen Plätzen, aber auch im Geschichten- und Sagengut unserer Gegend erhalten geblieben. Waidhofner Bürger, Schmiede und auch Bauern aus St. Georgen wehrten sich erfolgreich und schlugen die fremden Soldaten zurück.

1651 lebten schon 368 Menschen in St. Georgen.

Seit 1777 hat unsere Pfarre einen eigenen Pfarrer, der jeweils im Pfarrhof wohnte. Der Pfarrer musste seinerzeit für seinen Unterhalt selbst sorgen, deshalb war dem Pfarrhof eine Landwirtschaft angeschlossen. Sie wurde erst nach dem 2. Weltkrieg aufgelassen und das ehemalige Stallgebäude in das Pfarrheim umgebaut.

1774 wurde in Österreich die allgemeine Schulpflicht eingeführt. Das stieß in St. Georgen offenbar auf wenig Verständnis, da die Schüler aus den ca. 50 Häusern „im Winter ohnedies net zur Schul gehen konnten und im Sommer zur Feldarbeit herangezogen" und gebraucht wurden. Die Schulbehörde forderte aber schon 1784 den Bau einer Schule ein. Sie wurde aber erst 1815 fertig und war sehr klein.

1850 führten Verwaltungsreformen dazu, dass die Katastralgemeinde St. Georgen in der Klaus zur politischen Gemeinde Waidhofen-Land kam. 1853, also 40 Jahre später als die „kleine" Schule, wurde das neue Schulgebäude fertig in das täglich 114 Kinder zum Unterricht kamen. 1967/68 waren es sogar 146 Kinder.

Heute fast unvorstellbar ist, dass erst um 1950 elektrischer Strom in die Höfe eingeleitet wurde und die bäuerlichen Betriebe über richtige Straßen erreichbar gemacht wurden. Bis Ende der 1970-er Jahre gab es in St. Georgen nur ein einziges Telefon im Ort – das war die öffentliche Telefonzelle im Wirtshaus.

Seit 1977 gehört St. Georgen in der Klaus zur Großgemeinde Waidhofen an der Ybbs und ist somit ein Ortsteil dieser Stadt. Seit 1991 gibt es auch einen Kindergarten in St. Georgen.

Heute leben ca, 500 Leute hier in St. Georgen, das eine Fläche von 9 km² auf zwei Hügeln umfasst. Die bisher übliche bäuerliche Viel-Kinder-Familie gehört aber langsam der Vergangenheit an. Am deutlichsten sieht man das daran, dass der Schulbus heute nur mehr ca. 20 Schüler zur Schule bringt, in die noch vor 40 Jahren fast 150 Kinder gingen. Allerdings war es nicht nur der Geburtenrückgang, sondern auch die deutliche Verkleinerung des Schulsprengels und die Auslagerung der ehemaligen 5. bis 8. Klasse Volksschule an die Hauptschulen, wodurch die Schülerzahlen nachhaltig zurückgingen.

Das kulturelle und gesellschaftliche Leben im Dorf ist hauptsächlich von den Vereinen getragen. In ihnen werden Traditionen gewahrt, aber auch neue Ideen verwirklicht. Neben der Trachtenmusikkapelle, der Feuerwehr, dem Sportverein, den Senioren und der Katholischen Jugend setzt auch der Dorferneuerungsverein unübersehbar Akzente.

Wir danken und freuen uns, dass Sie sich für die Geschichte von St. Georgen interessierten und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute.

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